Interkulturelle Begegnungen für einen bunten Kiez

Kiezwerkstatt des Quartiersmanagement-Gebietes Badstraße im klingenden Museum

Am Abend eines sonnigen Wintertages finden sich Bewohner*innen und Aktive aus dem Kiez im klingenden Museum ein. Denn an diesem 21. Februar hat das QM Badstraße zur Kiezwerkstatt eingeladen. Man trifft und unterhält sich, bis  QM-Teamleiterin Özlem Ayaydinli die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache eröffnet.

Den Anfang macht Baustadtrat Ephraim Gothe. Mit einem Lächeln beschreibt er das Gebiet Badstraße als das, in seinen Augen, „lebendigste Quartier in der Bundesrepublik“ (Dies ist natürlich leicht übertrieben, doch spannend findet er die Stadtteile Wedding und Moabit allemal.) Diese Gegenden sind schon sehr bebaut, so muss man sich hier gerade stadtplanerisch Gedanken machen, wie es weiter gehen kann. Denn auch die Bevölkerung nimmt hier stetig zu. Gothe findet, dass die Kiezwerkstatt heute ein toller Anlass sei, um gemeinsam mit Anwohnern Ideen für die Zukunft des Quartiers zu sammeln.
Im Anschluss lädt das QM- Team mit Özlem Ayaydinli, Ralf Kersten und Lisa Tiedemann, zum sogenannten Brainwalk ein. Dazu werden wir die Treppe hinunter in einen weiteren Raum gebeten. Normalerweise stehen mitten im Raum ein Flügel und viele weitere Instrumente, denn wir sind ja schließlich im klingenden Museum zu Gast. Anlässlich der heutigen Kiezwerkstatt wurde der Raum jedoch von sämtlichen Instrumenten befreit, um Platz für Stellwände zu schaffen. Beim Brainwalk  laufen nun alle Teilnehmer*innen durch den Raum und können zu bestimmten Handlungsfeldern (HF) auf den Wänden ihre Sorgen, Ideen und Lösungsvorschläge loswerden. Zu jedem HF wird hierbei auch ein*e Expert*in aus QM oder Quartiersrat platziert, welche*r auf Fragen eingeht, aber auch zur Diskussion einlädt. Die Inhalte/Themen/Fragen zu den Handlungsfelder ergaben sich aus den ersten Sitzungen des Quartiersrates. Diese sind: Bildung/Ausbildung und Jugend, Beteiligung/Vernetzung und Einbindung der Partner, öffentlicher Raum, Nachbarschaft sowie Arbeit und Wirtschaft. Außerdem gibt es eine weitere Tafel zum Leitbild für das QM –Gebiet Badstraße mit der Frage nach der Idee von unserem Kiez für die nächsten Jahre.
Aufgabe verstanden! Schon gleich wuseln die rund 40 Besucher durch den Raum. Hier und da wird diskutiert und eifrig geschrieben. Gut, dass das QM für Obst zur Stärkung gesorgt hat. (Vitamine erhöhen das Denkvermögen)

Schnell wird klar, dass das Thema Spielplätze auf mehreren Wänden immer wieder auftaucht. Dies scheint eines der bedeutendsten Mankos im Kiez zu sein, an dem in den nächsten Jahren unbedingt gearbeitet werden muss. So zu sehen auf der ersten Wand zum Thema Jugend. Hier steht am Ende des Abends fest: Es gibt eigentlich schon viel Infrastruktur in diesem Bereich, doch es fehlt ihr noch an Qualität. Spiel-und Sportplätze sind oft noch sehr lieblos gestaltet und viele Einrichtungen unbekannt. Hierfür wird im Quartiersrat schon eine App als Wegweiser für Jugendliche diskutiert. Man ist sich einig: Der Kiez soll diesbezüglich wieder belebt werden und Jugendliche brauchen ein Netzwerk, welches es ihnen erlaubt, ihren Kiez selbstständig zu erforschen.

Für die Beteiligung und Vernetzung von Akteuren und Bewohner*innen des Kiezes werden Kiezspaziergänge und eine Art Leitsystem mit einer Karte vorgeschlagen. Diese Karte sollte fest verankert sein und die thematisch geordneten Treffpunkte anzeigen, wie z.B künstlerische Einrichtungen oder Sport-und Spielstätten. Da ist das QM mit der bald erscheinenden Kiezkarte doch schon auf dem richtigen Weg. Diese müsste nur noch fest an einem oder mehreren zentralen Orten im Kiez verankert werden. Im Bereich öffentlicher Raum gibt es, so Simon Stolz vom Quartiersrat, zwei Trends. Einerseits gibt es Orte, die schön, aber noch ausbaufähig sind und andererseits Orte, die ein großes Potenzial aufweisen, aber momentan leider zerfallen, wie zum Beispiel der Fußballplatz im Humboldthain. Ein großes Problem stellt nach wie vor das Zuwachsen der Büsche und Sträucher sowie der Müll auf öffentlichen Plätzen dar. Kritisch wird von vielen Bewohner*innen auch die stark befahrene Badstraße gesehen. Da die Weddinger Autofahrer nicht gerade für ihre defensive Fahrweise bekannt sind und es hier keine Radwege gibt, kann es gerade zu den Stoßzeiten für Radfahrer*innen sehr gefährlich werden.

„Interkulturelle Begegnungen sind wichtig für einen bunten Kiez wie den unseren“, findet Quartiersrat Günter Fuchs, der uns Plakat Nummer 4 vorstellt. Essen verbindet, daher sollten zum Beispiel gemeinsame Kochabende oder Kiezfeste veranstaltet werden. Doch wie sollen Bewohner*innen künftig an diese Infos kommen? Es sollte einen Veranstaltungskalender eingerichtet werden, welcher nicht nur online, sondern ganz zentral in einem noch zu findenden Ladengeschäft als eine Art Kiezstundenplan einsehbar ist. Das Ladengeschäft sollte eine Art zentraler Treffpunkt im Quartier sein, der allen möglichen Zielgruppen offen steht.
Im Punkt Arbeit und Wirtschaft stellt sich die Frage: Wie kann man Gewerbetreibende unterstützen und stärken, ohne die aktuelle Bevölkerung zu verdrängen? Auch hier ist der Austausch zwischen den Gewerbetreibenden wichtig. Dies könnte zum Beispiel durch einen regelmäßigen Unternehmer-Stammtisch umgesetzt werden.
Zu guter Letzt stellt Ralf Kersten vom QM-Team das Zusammengetragene zum künftigen Leitbild des QM vor. Hier kann man deutlich sehen, dass im Grunde eine genaue Vorstellung davon besteht, wo es im Kiez zwickt. Zum einen muss die Kommunikation zwischen Bewohner*innen und Akteuren im Kiez unterstützt werden. Zum Beispiel durch gemeinsame Anlässe wie Märkte oder Putzaktionen, die dazu einladen, sich miteinander auszutauschen und zu vernetzten. Zum Anderen spielt das Thema Beteiligung eine große Rolle. Wie können also in Zukunft Kinder und Jugendliche in den Beteiligungsprozess eingebunden und wie können die Interessen aller Bewohner*innen zusammengeführt werden?
Diesen Moment nutzt Maude Fornaro aus der Nachbarschaftsetage, um die Ergebnisse ihres im letzten Jahr durchgeführten Projektes „Check den Wedding“ zu präsentieren. Im Rahmen des Projektes sammelten Kinder und Jugendliche Meinungen zu ihrem Stadtteil und entwickelten Perspektiven für die Zukunft. Gemeinsam mit den Mädchen von Mädea und anderen Einrichtungen im Kiez sind bunte Plakate frei nach dem Motto: „Du und ich machen den Wedding schön!“ entstanden.

 

 

 

 

 

 

 

Nun werden wir in den Vorraum zu einem kleinen Buffet entlassen. Es wird sich bei Sesamringen, den sogenannten Simits, Eclairs und weiteren Köstlichkeiten weiter ausgetauscht. Der Abend klingt gemütlich, wie soll es im klingenden Museum auch anders sein, mit einer kleinen Musikeinlage aus. Die Band hat keinen Namen und Sängerin sowie Gitarrist haben aus Krankheitsgründen leider abgesagt. Doch davon lassen sich Bernhardt und Joshi heute nicht stören. Gemeinsam geben sie nun teils bekannte, teils selbst geschriebene Lieder zum Besten.

Ein erfolgreicher Abend mit vielen neuen Ideen und Visionen für das QM-Gebiet Badstraße geht zu Ende. Ergebnisse hier

Text und Fotos: Anna Lindner