Kommt mit ins Abenteurerland!

Weltspieltag auf dem Uferstudiogelände

Einfach so umherstreifen, ohne Ziel und außerhalb der Zeit. Das können heutzutage nur noch wenige Kinder, die deutsche Normalität sieht anders aus. Kaum ein Kind spielt ohne Aufsicht im „ungeschützten“ Raum, also draußen ganz ohne Eltern oder anderes „Aufsichtspersonal“.

Die sogenannten Helikoptereltern sind immer an der Seite ihres Kindes. Morgens wird es im Klassenzimmer abgegeben, mittags geht es dann im Elterntaxi zum Fußball, Geigenunterricht oder zur Nachhilfe. Der ganze Tag ist durchgeplant, Freiraum ein Fremdwort. Kindheit findet nicht mehr im offenen Raum, auf der Straße, auf Feldern, im Wald statt und Kinder können sich ihren Lebensraum kaum noch selbst erschließen. Es existiert heute keine Straßenkultur mehr und in der Gesellschaft dominiert die „verinselte Kindheit“. Abenteuer kennen die meisten nur aus Büchern. Freizeit ohne Handy, eigenen Fernseher oder Spielkonsole? Für viele undenkbar. Die meiste Zeit verbringen Kinder alleine im Haus, am Schreibtisch oder vorm Bildschirm. Viele haben die Verbindung zur Natur verloren und sind heute seltener draußen als ein Gefangener, der immerhin auf Freigang darf.

Auch durch die zunehmende Verdichtung und Versiegelung der Städte gehen immer mehr Freiflächen und Spielmöglichkeiten für Kinder verloren. Mit dem „Weltspieltag“ will das Deutsche Kinderhilfswerk unter dem Motto „Lasst uns draußen spielen!“ gemeinsam mit seinen Partnern darauf aufmerksam machen, dass die Bedingungen für das Draußenspiel von Kindern verbessert werden müssen. 1999 als „World Play Day“ ins Leben gerufen, findet er jedes Jahr am 28. Mai statt. Bereits seit zehn Jahren koordiniert das Kinderhilfswerk die dezentralen Aktivitäten im Rahmen des „Bündnis für Recht auf Spiel“ deutschlandweit.


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Weltspieltag 2018 in den Uferstudios

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Zum ersten Mal nimmt in diesem Jahr das Quartiersmanagement Badstraße am Weltspieltag teil. Gemeinsam mit MÄDEA, einem im Kiez ansässigen interkulturellen Zentrum für Mädchen und junge Frauen, und dem Umweltprojekt für Kinder und Jugendliche der BSR organisierten die beiden Quartiersmanagerinnen Özlem Ayaydinli und Magdalene Loda auf dem Uferstudiogelände einen Spielenachmittag. „Das diesjährige Motto hat uns besonders angesprochen. Kinder sollen die Straßen für sich zurückerobern, das finden wir wichtig und unterstützenswert. Mit unserer Teilnahme wollten wir ein Zeichen setzen“, sagt Ayaydinli. Klassische Kinderspiele, wie zum Beispiel Seilspringen, „Himmel und Hölle“ oder Gummitwist haben die beiden Quartiersmanagerinnen mitgebracht. Spiele, die die meisten noch aus ihrer Kindheit kennen und die heute nur noch selten auf der Straße gespielt werden.

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Kreidemalerei auf dem Hof verschönert den Playground

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Die Aktion soll darauf aufmerksam machen, dass es etwas ganz Natürliches ist, wenn Kinder rausgehen und draußen alleine spielen, ohne permanente Überwachung durch Eltern, Erzieher oder Babysitter. Dies sei enorm wichtig für die persönliche Entfaltung eines Kindes, meint die Teamleiterin Ayaydinli. „Man muss es immer wieder einfordern und hier ist auch die Politik gefragt. Das ist ein sehr schwieriger Weg, aber ich halte es für machbar.“ Magdalene Loda ergänzt: „Der Weltspieltag ist wichtig, weil es gerade in unserer Zeit mit so vielen Autos zu wenig Flächen für Kinder zum draußen spielen gibt. Er kann ein Anstoß zum Umdenken sein.“

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Spiele aus aller Welt wurden vorgestellt und vor allem gespielt

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Am Aktionstag übernehmen, ganz so wie Herbert Grönemeyer es in einem seiner bekanntesten Songs gefordert hat, die Kinder das Kommando. Die Mädchen von MÄDEA sind sogenannte „Spielpatinnen“, das heißt, sie haben sich selbst ein Spiel ausgesucht, für dessen Durchführung sie verantwortlich sind. Pädagogin Eva Palej: „Wir spielen sehr oft, das gehört auch zum Programm von MÄDEA. Wir haben uns Spiele ausgesucht, die aus verschiedenen Ländern der Welt kommen. MÄDEA ist ein interkulturelles Zentrum und es ist uns wichtig, dass die Mädchen auch immer wieder etwas Neues kennenlernen und wir so ihren Horizont erweitern. Die Mädchen haben ihre Eltern gefragt, welche Spiele sie als Kinder in ihrem Heimatland gespielt haben.“

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Die BSR war Partner des Weltspieltages im Badstraßenkiez

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Entschieden haben sich die Mädchen für das „Zahlenspiel“ aus Angola, „Diketo“ aus Botswana, „Hobble“ aus Nordamerika, „Evanema“ aus Papua-Neuguinea, „Fang den Stock“ aus Ägypten und das „Piñata-Spiel“ aus Südamerika. Vor allem die beiden letztgenannten Spiele stoßen bei den Kindern auf große Begeisterung. Den Stock der anderen Mitspielerinnen zu fassen bevor er umfällt, erweist sich als ebenso große Herausforderung wie das Treffen der Piñata mit verbundenen Augen. Der Anblick der fröhlichen Mädchen verleiht Palejs Worten Nachdruck: „Spielen tut der Seele gut. Bewegung, frische Luft, Sonne, andere Menschen, andere Kinder treffen. Beim Spielen lernt man auch zu kommunizieren. Das ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes.“ Kinder sollten wieder mehr im Wald, im Park, auf der Straße spielen. „So wie wir früher.“ Es sei auch wichtig, die Natur zu entdecken und nicht nur vorm Computer zu sitzen. „Ich bin immer wieder schockiert, wenn ich sehe, was im Gesundbrunnencenter passiert. Da sitzen die Mütter bei schönstem Wetter mit ihren Kindern in der Spielecke und starren auf ihr Handy, während ihre Kinder mit Plastiksachen spielen, statt in den nahegelegenen Volkspark Humboldthain zu gehen, wo sie rennen, schreien, sich ausprobieren und auf Bäume klettern können“, findet Eva Palej.

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Die Kinder beim Spiel mit der Piñata

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Klettern können viele Kinder heute gar nicht mehr und auch das Gleichgewicht zu halten fällt vielen schwer. Sportunterricht gehört zu den meistgehassten Schulfächern, sich zu bewegen ist schlichtweg „out“. Doch beim Weltspieltag auf dem Uferstudiogelände ist das anders. Die Mädchen sind voller Energie, hüpfen, rennen, schreien und lachen in der Sonne. Haben Spaß. Ganz ohne Internet.

 

Text und Fotos: Annette Wolter

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