Licht- und Geistesblitze

Zu Gast bei einer Quartiersratssitzung in der Badstraße

Um 17.30 geht es los. Nach und nach kommen die Quartiersräte reingetröpfelt und suchen sich einen Platz an den fünf Tischen. Auf denen liegen bereits die Projektideen von der letzten Sitzung, die später noch eine Rolle spielen sollen.

Zwölf engagierte Menschen haben sich heute, am 12. März getroffen, zum dritten Mal 2019. Gastgeber ist Netbil, von denen auch eine Vertreterin im Quartiersrat Badstraße sitzt. 

Wie um die Stimmung anzuheizen und ein bisschen Club-Feeling aufkommen zu lassen, fängt – bruzzel-bruzzel – eine Leuchtstoffröhre zu flackern an. QM-Teamchefin Özlem Ayaydinli lässt sich nicht stören und begrüßt kurz, knackig, konkret. Und freundlich. Die Tagesordnung wird vorgestellt und angenommen. Abhaken!

Richtig gute Runde: Der Quartiersrat fürs QM-Gebiet Badstraße

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Danach erster Programmpunkt: Der heutige Gastgeber stellt sich vor. Netbil sitzt in der Badstraße 12 und wohl alle Quartiersräte haben heute den Aufzug bemüht, um in die 5. Etage hoch über der Hauptschlagader des Kiezes zu kommen. Netbil ist ein gemeinnütziger Bildungsträger, der sich unter anderem in der Integrationshilfe für Geflüchtete engagiert. Quartiersrätin Carola Knauft, selber Sozialarbeiterin und Deutsch-Dozentin, berichtet über die Arbeit. Interessant: Viele Kursteilnehmer*innen wohnen hier im Kiez, nicht nur Flüchtlinge, sondern oft auch migrantische Eltern von inzwischen erwachsenen Kindern, die vom Jobcenter zu Deutschkursen geschickt werden. Außerdem gibt es auch Alphabetisierungskurse, über die Knauft berichtet, in denen manche Teilnehmer*innen das erste Mal in ihrem Leben überhaupt einen Stift in der Hand halten. Gespannt fragen die anderen Quartiersräte nach, die die Größe der Kurse interessiert, die Anzahl der Kursstunden und die hier möglichen Abschlüsse.

Carola Knauft stellt ihren Arbeitgeber Netbil vor

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Nächster Tagesordnungspunkt: Die Quartiersratssprecher*innen Conny Treichel-Breitkreutz, René Gruschinski und Günter Fuchs haben an zwei BVV-Sitzungen teilgenommen, um das Anliegen des Quartiersrates an einer kiezdienlichen Nutzung des Hauses in der Badstraße 10 – ehemals Haus der Volksbildung – zu unterstreichen. Das Haus steht seit Jahren praktisch leer, eine zeitlich begrenzte Zwischennutzung (zunächst drei Jahre) wurde durch den Bezirk in Aussicht gestellt. Doch nun hat sich bereits seit Monaten nichts getan. Der bezirkliche Verwaltungsapparat braucht seine Zeit, verschiedene Fachämter sind bei den Entscheidungen einzubeziehen. Stadtentwicklungs-Bezirksstadtrat Ephraim Gothe liegt wohl nicht ganz falsch, wenn er die Badstraße 10 scherzhaft als „Gorch Fock des Gesundbrunnens“ bezeichnet. Jedenfalls ist es den Quartiersräten gelungen, bei den Verantwortlichen ihr Interesse darzulegen und die Dringlichkeit zu hinterlegen. Mehr ist wohl – im Moment – nicht möglich.

Quartiersratsprecher René Gruschinski berichtet von seinen Erfahrungen in der BVV

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Unsere Leuchtstoffröhre, das Billo-Stroboskop, sendet ihre Lichtwellen weiter in die Sitzung, die sich davon nicht weiter stören lässt. Jetzt hat sich auch ein leiser, aber steter Sound hinzu gesellt: Tssst-tsst-tssst.

QM-News, so wird der nächste Stabstrich anmoderiert. Quartiersmanager Ralf Kersten referiert zum Verkehrskonzept, das gerade auf den Weg gebracht wird. Die zwei Planungsbüros plan&rat – Büro für kommunale Planung und Beratung und LK Argus hatten in diesen Tagen ihr Startgespräch und werden beginnen, die Verkehrssituation im Badstraßenkiez zu analysieren. Erste Erkenntnisse werden sie auf einem Dialogforum und Kiezspaziergang im Mai vorstellen, in dessen Rahmen vor allem aber die Möglichkeit für die Anwohner*innen besteht, eigene Beobachtungen, Anregungen und Wünsche einzubringen. Die versammelten Quartiersräte hören interessiert zu, Verkehr ist ein Thema, das für alle relevant ist. Nachdenklich mache, sagt einer von ihnen, der Umsetzungshorizont für die im Verkehrskonzept zu entwickelnden baulichen Maßnahmen: Vor 2024 wird wohl nichts fertig. Daher soll der Fokus auf möglichst schnell umsetzbaren Maßnahmen liegen. Aus dem Quartiersrat kommt die Anregung, dass im Gremium ein gemeinsamer Standpunkt entwickelt wird, um ihn in die Entwicklung des Verkehrskonzeptes einzubringen.

Flacker-flacker sagt die Lampe; die Sitzung geht weiter.

Auch am Bahnhof Gesundbrunnen soll sich etwas in Sachen Verkehr tun, wirft ein Quartiersrat ein. Fahrradabstellanlagen sollen entstehen, sogar von einem Fahrradparkhaus wird gesprochen. Im Moment werde zwar erst die Ausschreibung vorbereitet, aber auch hier mache es als Quartiersrat Sinn, Input einzubringen. Bitter bemerkt Quartiersrat Hauenstein, dass dieses Verfahren ja wohl ein Witz und von hinten aufgezäumt sei. Denn ehe man sein Fahrrad am Gesundbrunnen-Bahnhof abstellen könne, müsse man ja erst einmal über die lebensgefährliche Bad- oder Brunnenstraße dorthin gelangen. Beipflichtend nicken viele.

Nächster QM-Punkt: Give-Aways. Das QM-Team hat KiezLeuchten mitgebracht (nein, die Leuchtstoffröhre ist nicht gemeint), kleine, kurbelbetriebene LED-Lämpchen als Werbeartikel im Kiez. Gute Idee sagen viele, einige sähen ihre Geschenkidee-Ideen bei anderen Produkten. Also lädt das QM alle herzlich ein, gern mit zu überlegen, zu recherchieren und zu entscheiden.

Dann: Das Alt bleibt Neu-Projekt sucht neue Räume. Ganz spontan kommt die Idee, dass Matthias Neumann mit seinem Repair-Café doch bei Quartiersrätin Teena Lange vom Projektraum Grüntaler9 nachfragen könne?! Wird er machen, und weiter geht’s.

Wie wär’s übrigens, wenn Neumann mal diese Lampe „repairte“? In ein Café seiner Wahl würden ihn inzwischen wohl alle Anwesenden aus eigener Tasche einladen. Nämlich, das Wabern der Lampe nervt allmählich nun doch …

Wortmeldung Ralf Kersten zum Thema Baufonds: Es gibt die Möglichkeit, beim Bezirk Vorschläge einzureichen, wo der Baufonds besonders sinnvoll eingesetzt werden kann, um das Leben im Bezirk zu verbessern. Das QM-Team beabsichtigt, dieses Jahr erneut den Blochplatz – die dreieckige Grünfläche zwischen Böttger- und Badstraße sowie verlängerter Hochstraße – vorzuschlagen. Was hält der QR davon, ist die Frage? Zunächst mal nicht schlecht, aber am Zustand als öffentliche Toilette und Aufenthaltsort für Trinker*innen wird sich durch bauliche Maßnahmen vielleicht auch nicht so viel ändern, oder? Nun ja, es geht ja nicht um Verdrängung, wird eingeworfen. Aber es gäbe ja – etwa auch aus dem QM-Projektfonds – die Möglichkeit, dort mit Streetwork eine Verbesserung im Zusammenleben der unterschiedlichen Nutzergruppen zu erreichen. Dies wird beifällig zur Kenntnis genommen. Als weiterer Vorschlag für den Baufonds wird die Stettiner Trasse genannt, auch dies können sich viele vorstellen.

Letzter Punkt in der Tagesordnung: Die Quartiersräte beraten über Projektideen

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Nun sind wir schon im nahezu nahtlosen Übergang zur Diskussion über die Projektplanung. Gegen erste Absetzbewegungen – die avisierte Endzeit ist fast erreicht und einige haben Verabredungen – soll nun noch darüber diskutiert werden, welche konkreten Projekte sich aus den bei der letzten QR-Sitzung gesammelten Ideen für den Kiez ableiten lassen. Diese sind auf den bereits besprochenen Bögen auf den Tischen ausgelegt und werden nun nochmals sorgfältig von den Anwesenden inspiziert. Einzelne Maßnahmen werden diskutiert, Vor- und Nachteile abgewogen. Ziel ist die Entwicklung von Projektskizzen, auf deren Grundlage dann Projekte ausgeschrieben werden. Nun, soweit kommt es heute nicht, aber man kommt dem Ziel immerhin näher.

Ein intensiver und interessanter Abend geht zu Ende. Gibt halt viel zu berichten, zu diskutieren und zu entscheiden im Kiez. Danke an die Ehrenamtlichen im Quartiersrat, die immer wieder dabei sind, ihre Nachbarschaft nach vorne zu bringen. Aber jetzt ist, 30 Minuten später als geplant, Feierabend.

Und das Licht machen wir für heute – flacker-flacker – AUS!

 

Text und Fotos: Johannes Hayner

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