Aus den Leuten herausholen, was in ihnen steckt

Das „Schriftstellerhaus/phase 1“ in der Spanheimstraße 1

Unweit des QM-Büros Badstraße gibt es etwas, das es in dieser Art und Weise in Berlin sonst nicht gibt: einen Rückzugs- und Begegnungsort nur für Schreibende.

Hier in der Spanheimstraße 1 existiert eine Austausch- und Arbeitsplattform für schreibende Profis und Amateure gleichermaßen. Die Räume des Schriftstellerhauses befinden sich im Erdgeschoss. Ingrid Kaech, die Leiterin des Schriftstellerhauses, hat vor eineinhalb Jahren die Räume angemietet und komplett umgestaltet. Sie kümmert sich nun in Eigenregie um sämtliche Belange des Hauses, leitet auch die Seminare und Arbeitsgruppen. Ich treffe mich mit ihr, um mehr über sie und das Schriftstellerhaus zu erfahren.

Hereinspaziert! Ingrid Kaech sagt: „Willkommen im Schriftstellerhaus/phase1!“

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Wer ist Ingrid Kaech, und wie kam es 2018 zu der Gründung dieses Hauses, will ich von ihr wissen. Kaech arbeitete bis Ende der 1990er-Jahre als Schauspielerin, Regisseurin und Dramaturgin am Theater. Angefangen hat ihr eigener Schreibprozess mit dem Verfassen von Theaterstücken, sagt sie. Durch eine Anzeige in dem Stadtmagazin „zitty“ wird sie im Jahr 2000 auf die bis heute bestehende Autorinnengruppe „leichterhand“ aufmerksam und gehört zu deren Gründungsmitgliedern. Später leitete sie mehrere Jahre eine Literaturgruppe in der Justizvollzugsanstalt Tegel, eine wichtige und außergewöhnliche Erfahrung für sie. Diese Arbeit gab ihr auch 2005 den Impuls, die „SchreibBühne zur Förderung literarischen Schreibens“ zu gründen und vier Jahre lang zu führen. In dieser Zeit entwickelte sie mehr und mehr Ideen, wie man Schreib-Kurse und Schreib-Seminare geben könnte und setzt diese auch in ihren Seminaren um. Ihre Motivation dabei: „Das aus den Leuten herauszuholen, was in ihnen steckt“, sagt Kaech. Sie selbst schreibt in dieser Zeit zwei Bücher, eins davon ist bereits veröffentlicht.

Kaech hatte in den letzten Jahren nicht aktiv nach einem Ort Ausschau gehalten. Eine befreundete Autorin gab ihr den Tipp, dass die Räume in der Spanheimstraße 1 leer stehen. Die Anmietung war für sie der Startschuss, nun ihren eigentlichen Traum umzusetzen. Kaech sagt: „Es gibt viele Literaturhäuser in Berlin, aber es gibt kein Haus, in dem Schriftsteller gepflegt werden.“ Die Zeit für das Schreiben und den schriftstellerischen Austausch ist kostbar geworden. Die Autoren müssen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts sehr viel mehr Zeit und Energie aufbringen als früher. Um diese Zeit „so maximal wie möglich ausschöpfen“ zu können, gibt es jetzt diese Räume, diesen Ort.

Blick in den Seminarraum

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Und dieser Ort bietet eine ganze Menge. Es gibt Schreibabende, an denen in drei Durchgängen je 25 Minuten konzentriert über ausgewählte Themen geschrieben wird. Danach werden die Texte vorgelesen, aber nicht von der Gruppe kommentiert. Diese Art des Schreibens kann gut „innere Prozesse beschleunigen“, sagt Kaech. Und damit meint sie auch „zu sich zu stehen und zu eigener Kraft zu kommen.“

Wer ein strukturiertes Feedback zu bereits geschriebenen Texten braucht, kann zu den Textabenden kommen. Diese finden mittwochs alle 14 Tage statt. Einen längeren Schreibprozess verfolgen die Dranbleiben-Gruppen. Diese Gruppen treffen sich an sieben Terminen alle 14 Tage. Hier sind auch Leute dabei, die langfristig an einem Roman arbeiten.

Mehrere Coworking-Arbeitsplätze stehen für wenig Geld zur Verfügung

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Kaech bietet im Schriftstellerhaus auch mehrere Coworking-Arbeitsplätze an. Jeder, der einen Ort braucht, um in Ruhe, aber nicht allein zu schreiben, kann sich hier von 10 bis 22 Uhr einen Platz mieten. Und dieser Platz ist wirklich schön. Mit Blick zu einem begrünten Innenhof sitzt man in einem geschmackvoll eingerichteten Raum. Der Preis pro Stunde ist zwischen 1,90 € und maximal 3,50 € ganz bewusst so niedrig angesetzt, dass ihn sich jeder leisten kann.

Lesung im September 2018

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Dazu kommen noch Themen-Seminare und natürlich Lesungen. Bei den Themen-Seminaren handelt es sich um Tages- oder 2 Tagesseminare. Das letzte Seminar fand zum Thema „Heldinnen“ statt, das nächste beschäftigt sich passender Weise zum kommenden „Vatertag“ mit dem Thema „Väter“.

„Welches Lieblingsbuch haben Sie eigentlich?“ frage ich Kaech zwischendurch. Nein, es gibt für sie nicht das eine Lieblingsbuch, aber sie verehrt Dostojewski und ganz besonders die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev.

Und welche Wünsche gibt es für die Zukunft, will ich zum Schluss wissen. „Dass es noch weitergeht“, sagt Kaech. Dass soll auch der Zusatz „Phase 1“ im Namen „das Schriftstellerhaus/phase 1“ zum Ausdruck bringen. In Phase 2 sollte möglichst eine finanzielle Sicherheit für das Haus erreicht werden und in der letzten Phase, Phase 3, soll alles größer werden. Das bedeutet mehr Platz für Seminare und Veranstaltungen, sogar Übernachtungsmöglichkeiten für Leute, die nicht aus Berlin kommen. Das ist ein großer Traum, denn ein wunderbar lebendiges Haus soll es sein – das Schriftstellerhaus in Berlin.

Text: Maja Schudi
Bilder: Maja Schudi und das Schriftstellerhaus/phase 1

 

Tipp
Am 19. Mai findet übrigens ab 18 Uhr die Vernissage und Lesung „Die Hoodies“ von Tina Brenneisen statt. „Die Hoodies“ ist eine Comicerzählung über den Umgang mit dem Fremden. Zu den ausgestellten Originalbildern aus der Erzählung wird die Autorin und Comiczeichnerin Tina Brenneisen aus der Geschichte vorlesen.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Woche der Sprache und des Lesens, gefördert über den Aktionsfonds des QMs Badstraße.


Kontaktdaten:
Das Schriftstellerhaus/phase1
Spanheimstraße 1, 13357 Berlin
www.das-schriftstellerhaus.de

Ingrid Kaech
01 522. 1 99 54 63
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