Ab auf die Matte, Kiez!


Eine Matratze ist eine Matratze. Oder? Was könnte sie denn noch so alles sein? Ein Floß? Eine Brücke? Eine Wand? Vielleicht sogar das Meer? Wer am 17. Juni die Tanzperformance „Ab auf die Matte!“ von LUNA PARK in der Gesundbrunnen-Grundschule erlebt hat, kennt die Antwort: fast alles!
Schon vor Beginn der Vorstellung war klar, dass hier etwas anders läuft als im klassischen Theater. Während die Crew um Kosmas Kosmopoulos letzte Vorbereitungen trifft, laufen sich die Tänzerinnen und Tänzer mitten im Raum warm, feuern sich gegenseitig an und verschwinden immer wieder hinter den Kulissen – nur um kurz darauf wie Kai aus der Kiste erneut aufzutauchen. Aber jetzt erstmal: Ruhe im Publikum!

Die Crew und ihre Matte


Zunächst erklärt der Künstlerische Leiter Kosmas den Kindern, was es mit dem Titel „Ab auf die Matte!“ auf sich hat. Und auch, dass sie heute keine Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende erwartet. Aber, Leute: Genau das macht ja den Reiz des Stücks aus. Dann wird‘s ernst. Oder eigentlich ganz unernst, nämlich verspielt.
Fünf Performerinnen und Performer verwandeln eine überdimensionale Matte immer wieder in was Neues. Mal wird darauf geklettert, gerutscht und balanciert, mal ist sie ein Hindernis, dann wieder ein sicherer Ort. Mit viel Bewegung, Humor und überraschenden Bildern erzählt die Tanzperformance von Mut, Zusammenhalt, Streit, Fantasie und davon, gemeinsam Lösungen zu finden – ohne viele Worte.

Was ist zu sehen? Im Mittelpunkt der Aktionen steht immer die Matte in ganz verschiedenen Situationen. Mal wird sie weggeschoben und anschließend verfolgt, bis sie flach auf den Boden fällt. Als eine Person unter der Matratze eingeklemmt wird, arbeiten alle zusammen, um sie anzuheben, anstatt gegeneinander zu handeln. Die Matte lässt sich erst dann bewegen, wenn die Figuren miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Jede Figur reagiert anders, wenn sie allein auf der Matte ist. Was löst die Matte bei ihnen aus? Dann scheinen sich die Figuren auf der Matte im Urlaub zu befinden. Ihre Kleidung vermittelt eine tropische, sommerliche Atmosphäre …

Besonders schön war zu beobachten, wie aufmerksam die Kinder auf das Bühnengeschehen reagierten. Immer wieder wurde gelacht und spontan geklatscht – etwas, das man im Theater sonst eher selten erlebt. Wurden die Bewegungen langsamer und ruhiger, wurde auch das Publikum leiser. Und bei komischen Situationen lachten Kinder und Erwachsene gleichermaßen lauthals und lange.

Was passiert hier?


Als die Bühne wieder leer war, zeigte sich, dass zeitgenössischer Tanz durchaus Fragen aufwerfen darf. Als Kosmas Kosmopoulos fragte, wie den Kindern das Stück gefallen habe, kam zunächst die ehrliche Antwort: „Gut, aber ich habe nichts verstanden.
Doch mit ein paar weiteren Fragen änderte sich das schnell. Könnte die Matte vielleicht Wasser sein? Oder eine Mauer, über die man nicht kommt? Plötzlich sprudelten die Ideen. Einige Kinder erkannten die Urlaubs-Anspielung. Andere meinten, sie hätten einfach einen riesigen Tanz gesehen. Wieder andere entdeckten ureigene Geschichten in den Bewegungen.

Es wird artistisch


Diese assoziative Kraft ist die Stärke von „Ab auf die Matte!“. Das Stück gibt keine fertigen Antworten vor. Kinder und Erwachsene erhalten eine Einladung, selbst zu beobachten, zu staunen und ihre Fantasie spielen zu lassen. Jede Interpretation ist willkommen.
Die Aufführung ist Teil des Projekts „Kiez in Bewegung“, mit dem LUNA PARK zeitgenössischen Tanz direkt in den Wedding bringt. Gemeinsam mit der Gesundbrunnen-Grundschule entstehen hier Aufführungen, Workshops und Begegnungen, die Kunst mitten in den Kiez holen – niedrigschwellig, offen und mit viel Raum für Neugier.

Ab Auf die Matte! wird gefördert u. a. durch das Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt über den Projektfonds des QM Badstraße.



Text: Lia Dalva, Johannes Hayner, Fotos: Lia Dalva