Der ehrliche Fußball

Fans liegen sich in den Armen, Jubelschreie schallen von den Rängen. Auf dem Platz messen sich die Besten der Besten. Wochenlang wurde diesem Moment entgegengefiebert. Jeder Zweikampf wird gefeiert, jede Parade bejubelt, jeder Treffer lässt die Tribüne erbeben. Schiedsrichterentscheidungen werden klaglos akzeptiert.

Willkommen beim Fußballturnier der Rudolf-Wissell-Grundschule am 7. Juli.

Die Ruhe vor dem Sturm



Die Lehrkräfte schicken die stärksten Spielerinnen und Spieler ihrer Klassen auf den Rasen. Gespielt wird klassenübergreifend und so stehen sich im Finale die beste fünfte und die beste sechste Klasse gegenüber.
Geschenkt wird sich hier nichts. Und so kurz vor den Ferien wollen alle noch mal ihr Bestes geben.


Bereits zum zweiten Mal findet das Turnier in diesem Jahr statt. Ins Leben gerufen wurde es 2025 von einem Lehrer, der inzwischen nicht mehr an der Schule arbeitet. Was er begonnen hat, scheint es jedoch wert zu sein, Tradition zu werden.



Gespielt wird je nach Altersgruppe auf unterschiedlich großen Feldern, nie größer als ein halber Fußballplatz. Das bedeutet auch: Zwischen den Spielen müssen die Tore immer wieder versetzt werden. Eine Aufgabe, bei der selbstverständlich alle mit anpacken.



Wer gerade nicht auf dem Platz steht, übernimmt eine andere wichtige Rolle: die des Fans. Und die nehmen ihren Job erstaunlich ernst. Für einen Moment fühlt es sich tatsächlich an wie ein K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Es werden Haare gerauft, Chöre angestimmt und Anweisungen aufs Feld gerufen: „Schieß!“, „Spiel hinten rum!“, „Verlagern!“, „Hintermann!“

Einmal anpacken bitte



Spätestens jetzt wird klar: Das ist keine lockere Schulveranstaltung kurz vor den Ferien. Dieses Turnier wurde vermutlich das ganze Jahr über vorbereitet und fiebrig erwartet. Zum Beispiel mit unzähligen Trainingseinheiten auf dem Schulhof. Selbst der Regen, der heute das Turnier begleitet, hält niemanden davon ab, alles zu geben.

Die Stimmung ist unglaublich



Trotz des großen Ehrgeizes bleibt das Turnier bemerkenswert fair. Es gibt keine Beleidigungen, keine unnötigen Körperlichkeiten, trotz aller Emotionen. Genau das hebt auch ein Lehrer bei der Siegerehrung besonders hervor.

Die Spiele bleiben fair



Am Ende kann nicht jede Mannschaft als Sieger vom Platz gehen. Bei manchen fließen Tränen, hängen die Mundwinkel. Doch niemand bleibt mit der Enttäuschung allein. Es wird getröstet, auf die Schulter geklopft und schon der Blick nach vorn gerichtet: „Nächstes Jahr holen wir uns das Ding.“




Text und Fotos: Otto Neumann