Schaufenster des Kiezes



Es ist der 12. Juni, Projektmesse-Tag im Kiez. Ich stehe vor der Bibliothek am Luisenbad und wundere mich: kein Mensch da. Und nicht mal ein Marktstand. Wie kann das sein? Doch schon nach kurzem Nachdenken finde ich die Lösung: Nachdem einige Jahre lang die Projektmesse der Quartiersmanagements im Gesundbrunnen vor und teilweise in der Bibliothek stattfand, hat sie 2026 ihren Standort – und auch ihren Namen – geändert. Voilà: Willkommen zur Kiezmesse der Quartiersmanagements im Gesundbrunnen direkt vor dem Gesundbrunnen-Center!

 Überblick über die Kiezmesse



Die große, unmittelbar an der Brunnenstraße gelegene, Fläche ist dicht bestellt mit Marktständen. Eingeladen sind alle Projekte und Initiativen, die hier im Umkreis aktuell von QM-Förderung profitieren. Und da gibt es so einige aus den QM-Gebieten Badstraße, Soldiner Kiez und Brunnenstraße. Entsprechend bunt ist das Angebot und, daraus resultierend, der Zuspruch. Denn der neue Standort hat gegenüber dem alten vor allem einen Vorteil: Hier kommen jede Menge Passanten vorbei, die sich spontan zu einer Visite an den Ständen entschließen. Das alte Idyll an der Panke musste bewusst aufgesucht werden, denn „Laufkundschaft“ gibt es vor der Bibliothek fast keine. Dies zu ändern, so erzählt Michael Zambrano vom QM-Team Badstraße, ist der wichtigste Grund für den Umzug.

Heißer Tee gegen das kühle Wetter



Hört man sich an den Ständen um, gehen da auch alle mit. Das Vernetzen der Projekte untereinander – auch ein wichtiges Ziel der Messe – klappt zwar an der ruhig dahin plätschernden Panke genauso gut wie hier, aber die Wirkung in den Stadtraum ist ungleich besser.

Ich schlendere entspannt über den Platz, schaue mir an, was alles im Angebot ist und komme mit alten Bekannten und neuen Gesichtern ins Gespräch. Gut gelaunt wie stets hat Jörg Strombach vom Projekt „Forever Young“ in der Kiezoase sein Lastenrad auf den Platz rangiert. Nun befindet er sich im Dauer-Talk und vernetzt sich, was das Zeug hält. Ich treffe Yalda, die ich erst neulich bei WiB (Wir im Brunnenviertel) kennengelernt habe. Heute ist sie hier gemeinsam mit Caiju Innovationswerkstatt e.V., dichtumlagert von Kindern und Jugendlichen. Denn Yalda lässt das Glücksrad kreisen und presst selbst gestaltete Sticker für die Kids. Schon am nächsten Stand wartet Luna Park, die mich auf die Tanz-Performance „Ab auf die Matte“ aufmerksam machen, die in der Gesundbrunnen-Grundschule für das junge Publikum aufgeführt wird. (siehe Artikel auf dieser Website) Am Stand der Lernwerkstätten in der Gartenstadt Atlantic beobachte ich Regina Höfele, die einem Kind hilft, seinen Finger zu mikroskopieren. Ein spannender Fingerabdruck wird sichtbar.



Ein Publikumsmagnet ist die Bühne an der Kopfseite des Platzes. Um den Kanun-Spieler Ömer Kaan Özdag versammeln sich aufmerksame Zuhörer*innen. Die meditativen Klänge der orientalischen Kastenzither bringen eine transzendente Note in die Geräuschwelt der Kiezmesse. Völlig was anderes bringt das Elektropop-Duo Ur.X mit Special Guest Dasha Newman auf die Ohren. Im Studio SHIRO entstanden, singt Dasha ihre Rhymes auf die coolen Electro-Beats aus Ur.X‘ Soundstation. Und dann noch Tour de Späti. Die drei Berliner Jungs Qiggy, Rey und D4DA tingeln seit letztem Jahr von Späti zu Späti und performen, bis die Flaschen überschäumen. Heute sind sie hier auch ohne Bier und werfen sich beim Rappen gegenseitig die Bälle zu. Stark!


Tour de Späti heute schon etwas früher am Mikro



Auch nicht von schlechten Eltern: der Tanz-Flashmob von Luna Park! Ganz viele Kinder bewegen sich rhythmisch nach den Vorgaben von Tanzpädagoge Kosmas Kosmopoulos. Oder das gigantisch-begehbare Luftbild vom Campus Brunnenviertel, vorgestellt von Campusmanager Andrei Schnell. Viele wollen mehr darüber wissen, klar, hat sich noch nicht so herumgesprochen. Es tut sich was im Kiez.

Weiterhin dabei: Die Initiative Essbare Straße, die unter anderem die Hochbeete in der Swinemünder Straße bepflanzt, das Netzwerk Kiezbildung mit einem Gewinn-Rätsel für Große und Kleine, der Nachbarschafts-Kieztreff Kamine, präsentiert von Kiez-Urgestein Stefan Höppe. Auf der Mitte des Platzes einige Biertische, an denen mit Lego Zukunftsvisionen oder auch nur schöne Skulpturen entstehen. An der Spielecke direkt vorm Center vergnügen sich Kinder mit Hoola-Hoop, Stelzenlauf, Straßenkreide und Jonglage.

Achtung Flashmob
Foto-Credit: Giovanni Lo Curto/ LUNA PARK



Alles in allem geht`s ziemlich ab und gerade der Austausch unter den Projekten, Initiativen und Einrichtungen ist überall sichtbar. Das kühle Wetter regt bestimmt auch dazu an, sich ein bisschen zu den anderen hinzubewegen, zumal wenn es dort heißen Kaffee und Tee gibt. Das ist an einigen Ständen der Fall. Die Stimmung ist fröhlich und optimistisch. Wie sollte es auch anders sein, wenn zwar viele Regenschirme mitgebracht wurden, aber keiner aufgespannt werden muss.

Nicht alle sind genannt, nicht jede Aktion gewürdigt. Aber am frühen Abend gehe ich mit dem guten Gefühl nach Hause, dass dieser Kiez lebendig ist, dass hier wahnsinnig viel Engagement sichtbar wird, dass man auch neue Ideen verfolgt und dass man sich gegenseitig unterstützt. Ich denke: Quartiersmanagement wirkt, kann allerdings auch nicht jeden Missstand beseitigen. Zumindest gibt es hier einen Überblick, wofür dieses Programm seine Mittel einsetzt. Die Messe am neuen Standort ist ein Schaufenster des Kiezes. Und der hat sich heute von einer erfreulichen Seite gezeigt.

Kolleginnen und Kollege aus den QMs mit guter Laune




Text und Fotos: Johannes Hayner und Giovanni Lo Curto