Der Bellermannkiez von morgen

Kommt der Wedding nun oder kommt er nicht? In Sachen Mobilitätswende kommt er, und zwar im Bellermannkiez! Viele Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sind für die kommenden Jahre geplant. So sollen unter anderem durch sogenannte Kiezblocks Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Dies geschieht mittels diagonal gesperrter Kreuzungen, durch die der Durchgangsverkehr durch die Wohnstraßen nicht mehr möglich sein wird (durch entriegelbare Poller sind weiterhin alle Gebäude in den Kiezblocks für Rettungsfahrzeuge, Müllabfuhr, Lieferverkehr etc. erreichbar). Den Anfang im Bezirk Mitte macht das Quartier rund um die Bellermannstraße. „Der Bellermannkiez ist der Kiez, in dem wir als Straßen- und Grünflächenamt erstmalig flächendeckend bauliche Maßnahmen zur Unterbindung des Durchgangsverkehrs vornehmen werden“, berichtet Herr Kyek, Leiter der Abteilung für Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen des Straßen- und Grünflächenamtes, Berlin Mitte. Die Unterbindung des Durchgangsverkehrs in den Wohngebieten ist wesentlicher Bestandteil zur Umsetzung der im Mobilitätsgesetz vorgesehenen Maßnahmen zur Erreichung der Verkehrswende. Der Bezirk ist bemüht diese Maßnahmen mit den Vorschlägen der örtlichen Initiativen in Einklang zu bringen.

Hier können Autofahrer nur noch nach rechts abbiegen


Hintergrund der Kiezblocks ist das gleichnamige Programm des gemeinnützigen Vereins Changing Cities, der sich für nachhaltige Mobilität und lebenswerte Städte in Berlin und ganz Deutschland einsetzt. Mit Unterstützung des Vereins entwickeln Nachbarschaftsinitiativen Pläne, wie der Verkehr durch ihr Wohnquartier fließen soll. Die Konzepte werden dann dem zuständigen Bezirk vorgelegt und weiterverfolgt. Laut Changing Cities sind Kiezblocks ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verkehrswende und tragen zu einer besseren Lebensqualität bei. Auch die Bezirksstadträtin Dr. Almut Neumann konstatiert kürzlich in einer Pressemitteilung: „Weniger Autoverkehr und mehr Platz für Menschen und Natur machen unsere Kieze lebenswert und stärken den Zusammenhalt.“

Zoom-Interview mit Mitarbeitern des Straßen- und Grünflächenamtes Mitte


Nach entsprechendem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung habe sich das Straßen- und Grünflächenamt Mitte für Sperrmaßnahmen im Bellermannkiez entschieden, erzählt Herr Kyek. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, um den Verkehr zu beruhigen, zum Beispiel durch Tempolimits, Bordsteinabsenkungen und Einbahnstraßen. Die wesentlichen Ziele, die durch solche Maßnahmen erreicht werden sollen, sind naheliegend: im Kiez wird es verkehrlich ruhiger und weniger motorisierter Individualverkehr geht auch einher mit einer höheren Sicherheit für die Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Die frei gewordenen Flächen können vielfältig genutzt werden, wie zum Beispiel als Aufenthaltsplatz, Grünfläche oder für Sport und Spiel. Für den Bellermannkiez heißt dies konkret, dass Abkürzungen durch das Wohngebiet, beispielsweise von der Osloer Straße zur Badstraße, entfallen und der reine Durchgangsverkehr wieder auf die Hauptstraßen geleitet wird, wo er gemäß der Stadtplanung auch hingehört.

Neue Fahrradbügel für den Bellermannkiez


Insgesamt sind an folgenden fünf Kreuzungen im Bellermannkiez Sperreinrichtungen geplant: Eulerstraße / Bellermannstraße / Heidebrinker Straße, Eulerstraße / Klever Straße, Eulerstraße / Jülicher Straße, Bellermannstraße / Grüntaler Straße und Bellermannstraße / Stettiner Straße. Der Großteil der Baumaßnahmen beginnt aller Voraussicht nach im kommenden Frühjahr. An der Kreuzung Eulerstraße / Bellermannstraße / Heidebrinker Straße hat die Umgestaltung bereits Ende 2021 begonnen. Fahrradbügel wurden installiert und Poller, die den Kiezblock teilen und den Durchgangsverkehr somit unterbrechen, wurden aufgestellt. Im nördlichen Bereich der Eulerstraße werden gleich zwei Pollerstreifen errichtet. Die Sicherheit der Fußgänger*innen wurde hier schon seit langer Zeit von den Anwohner*innen kritisiert. Die Verkehrsberuhigung geht Hand in Hand mit dem Projekt Klimakiez Badstraße, welches nach drei Jahren Laufzeit erfolgreich abgeschlossen wurde und nun in ein Folgeprojekt übergeht.

„Durch die Diagonalsperre in diesem Bereich entsteht eine neue öffentliche Fläche, die großes Potential für eine nachbarschaftliche Aneignung und Begrünung hat und somit nach Klimaanpassungskriterien neu gestaltet werden kann“, berichtet die Projektleiterin, Emmily Wiedenhöft. Ab diesem Jahr werden im Rahmen des zweijährigen Folgeprojektes KlimaKiez Badstraße II – Potentialräume der Klimaanpassung gemeinsam gestalten zwei Vorzeigeprojekte für Klimaanpassungsmaßnahmen im Bezirk Mitte, bei dem soziale Aspekte mit Klimaanpassungsbemühungen verbunden werden, initiiert. Neben der Sensibilisierung der Bürger*innen für Klimaanpassungsmaßnahmen im Kiez geht es darum, Patenschaften zur langfristigen Verantwortungsübernahme für die Pflege- und Instandhaltung der Flächen durch die Bürger*innen aufzubauen. Folgende urbane Aufenthaltsorte werden temporär und partizipativ nach Klimaanpassungskriterien im Projekt gestaltet:

Auf der neu entstandenen Freifläche an der Kreuzung Eulerstraße / Bellermannstraße / Heidebrinker Straße wird ein temporärer Stadtgarten, der sogenannte „Bellermanngarten“ entstehen. Die breiten Gehwege und die bereits existierende Notfall-Wasserpumpe, die zum Bewässern der Bäume und Pflanzen genutzt werden kann, sind dafür ideale Voraussetzungen. Unter dem Motto „Kindern zeigen, wie Gärtnern geht, alle teilhaben lassen, Kiez begrünen” wird es das erste Mal die Gelegenheit geben, im öffentlichen Straßenland ein Urban Gardening-Projekt umzusetzen. Dafür wird im Frühjahr eine Gartengruppe mit interessierten Anwohner*innen gegründet. Frau Wiedenhöft berichtet, dass im Rahmen von Bauworkshops Hochbeete und alles, was zu einem Garten sonst noch dazu gehört, gemeinsam gebaut werden. Die Gartengruppe wird über die Projektlaufzeit mit Knowhow und Material unterstützt, um dann langfristig die Verantwortung für die Pflege und Bewirtschaftung des Gartens zu übernehmen (z.B. in Form eines Vereins oder durch Pflegepatenschaften).

Der Bellermanngarten – noch ein Blick in die Zukunft


Die zweite geplante Maßnahme des Klimakiez-Projektes ist ein temporärer Quartiersplatz an der Kreuzung Eulerstraße/Jülicher Straße, der ab 2023 entstehen soll. Ideen für eine mögliche Platzgestaltung wurden bereits mit den Kiezbewohner*innen im Rahmen des vorherigen Projektes entwickelt und sind in den Entwurf eingeflossen. Frau Wiedenhöft erzählt, dass die Idee, den Platz zu begrünen und mit Angeboten für die Nachbarschaft anzureichern, bei den Teilnehmenden sehr gut ankam. Für das Straßen- und Grünflächenamt ist solch eine provisorische Gestaltung des Straßenlands Neuland. „Wir wollen gucken, wie wir mit mobilen, temporären Mitteln einen Platz gestalten können“, berichtet Herr Kyek. Im Anschluss des Projektes wird dann überlegt, wie man den Bereich langfristig gestalten kann.

 

So soll der temporäre Quartiersplatz einmal aussehen


Analog zum Bellermanngarten wird im Frühjahr 2023 eine Quartiersplatzgruppe ins Leben gerufen. Geplant sind sogenannte Hands-On-Bauworkshops, in denen Stadtmöbel, Hochbeete und weitere temporäre Ausstattungen gemeinsam gebaut werden. Außerdem soll der Platz zukünftig von anderen Kiezprojekten bespielt werden. Laut Frau Wiedenhöft wären beispielsweise ein Kiezfest, ein Flohmarkt, Aufführungen oder eine Filmnacht denkbar. Die Quartiersplatzgruppe soll helfen, den Platz mit Leben zu füllen und ihn sauber zu halten. „Wir unterstützen und begleiten dabei die Quartiersplatzgruppe", erzählt Frau Wiedenhöft. Das Straßen und Grünflächenamt will diesen Prozess aktiv begleiten und erste Erfahrungen mit der temporären Schaffung von Plätzen sammeln. Dort ist man davon überzeugt, dass dieses Modell im Rahmen der Klima- und Verkehrswende eine wichtige Rolle spielen wird. Die Bezirksstadträtin Dr. Almut Neumann hofft, dass von den entstandenen Ideen im Bellermannkiez ein Impuls für ganz Mitte ausgehen wird und sich in Zukunft noch mehr Menschen an der Gestaltung ihres Umfeldes beteiligen werden.
Im Jahr 2022 kann man in jedem Fall gespannt auf den Bellermannkiez, den sogenannten Klimakiez, blicken und hoffen, dass es ganz bald viele weitere Kieze im Wedding geben wird, die die Mobilitätswende vorantreiben!

Text, Interviews und Fotos: Juliane Schnitzer, Entwurfszeichnung: Gruppe F

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